Worte für Orte
Gedichte zu KonSonanz, einer nächtlichen Begegnung von Sprache, Lichtbild und Musik

In der verregneten Nacht vom 15. zum 16. September 2001 folgten der Vlothoer Schriftstellerin sehr viele Leute an die durch Lichtprojektionen verwandelten Plätze, auch wir Musiker, um Worte für Orte zu hören, Bilder leuchten zu sehen und um zu spielen, was uns zu all dem einfiel …

Peter Ausländer

 

Japan art

 

Im Kirschbaum

hängt kupferrot

die japanische Sonne

vom Fudschi

übers Meer

weseraufwärts gerollt

macht den Hafen

besitzergreifend

zur illuminierten

Kabuki-Kulisse

 

 

 

Stillgelegt

 

Kein Hammerschlag mehr

von der Werft

Docks liegen tot

die Schienen rosten

Noch immer haben sich

die Schweißer

nicht daran gewöhnt

nach ihrem Morgengang

zum Arbeitsamt

die Angel

an der Hafenmauer

auszuwerfen

wie die Rentner

 

 

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Verstörung

 

Flakscheinwerfer

am nächtlichen Himmel

im Lichtkegel

feindlicher Bombergeschwader

´s ist Krieg

 

Sechzig Jahre danach

noch immer Entsetzen

wenn der grellgelbe Strahl

den Himmel absucht

das schlafende Städtchen

 

Doch alles nur Spaß

ein Discospektakel

für Technofans

Wer wollte da

Spielverderber sein

 

 

Flussnebel

 

Verschleiert

die Hafenlaternen

Masten hängen

verloren im Horizont

Über jedem Geräusch

eine Daunendecke

Lautlos

stürzt die Brücke

ins Grau

 

 

 

Worte

Irma Hildebrandt
WORTE FÜR ORTE
Gedichte

Mit beiliegender CD

Musik: Peter Ausländer, Helmut Bieler-Wendt, Gerd Lisken und Willem Schulz
Lichtbilder: Petra Brunnhofer/LOMA

36 Seiten

Kunststation, Vlotho 2001

 

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