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30 Porträts aus fünf Jahrhunderten |
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Mut hat viele Facetten, aber immer gehört die Bereitschaft
zum Wagnis dazu. Wagnis in Extremsituationen und Wagnis im Alltag. Zu den
extremen Herausforderungen zählt zweifellos der Widerstand gegen Mächtige.
Die Sozialarbeiterin Johanna Kirchner
hat dafür im Dritten Reich mit dem Leben bezahlt, die Bürgerrechtlerin Bärbel Bohley in der DDR mit
Gefängnis. Auch Maria Ward, die mit
ihren „Englischen Fräulein“ schon im 17. Jahrhundert, zur Zeit der
Hexenverbrennungen, den mächtigen Jesuiten den Gehorsam verweigerte, nahm
dafür Kerkerhaft in Kauf. Und dass Königin
Luise von Preußen dem siegreichen Napoleon die Stirn bot, zeigt ihre
„Tapferkeit vor dem Feind“. Immer wieder haben engagierte Frauen für die Rechte ihrer
Geschlechtsgenossinnen und für Menschenrechte gekämpft, so im 19.Jahrhundert
die Gründerin der Bürgerlichen Frauenbewegung Louise Otto-Peters und später ihre sozialistische Gegenspielerin Clara Zetkin. So die scharfzüngige
Pazifistin Hedwig Dohm, so 1945, in
der Trümmerfrauenzeit, die beherzte Berliner Bürgermeisterin Louise Schroeder. Zu diesen
Unerschrockenen zählt auch die 2003 verstorbene Theologin Dorothee Sölle, die sich für die
Dritte Welt und die Erhaltung der Schöpfung eingesetzt hat. Dass Frauen heute fast alle Berufe ausüben können, ist
selbstverständlich, erforderte aber im 17. Jahrhundert außerordentliches
Geschick und Durchsetzungsvermögen, wie es die selbständige Kauffrau Glückel von Hameln bewies. Noch im 19.
Jahrhundert musste sich die erste Schweizer Juristin Emilie Kempin-Spyri ihre Anerkennung hart erkämpfen. 100 Jahre
später rührte die Psychoanalytikerin Margarete
Mitscherlich furchtlos an politische Tabus und die Publizistin Marion Gräfin Dönhoff hielt sich, wenn
sie für eine Sache kämpfte, nicht immer an „political
correctness“. Selbst die Schriftstellerin Christa Wolf wagte sich zu DDR-Zeiten in nicht SED-konforme Grenzbereiche vor. Besonderen Mut bewies die Schauspielerin Ida Ehre, als sie 1945 - nach zwölf Jahren
Bühnenverbot als Jüdin - aus dem Nichts ein eigenes Theater, die Hamburger
Kammerspiele, gründete. Und auch ihre aus dem Exil zurückgekehrte Kollegin Tilla Durieux wagte mutig einen neuen
Bühnenstart in Deutschland, während umgekehrt die Burgschauspielerin Erika Pluhar ihr festes Engagement
freiwillig gegen die Unsicherheit selbständiger Bühnenauftritte eintauschte.
Und die Modeschöpferin Jil Sander ging
mit ihrem Unternehmen sogar an die Börse - ein risikoreiches Unterfangen. Auf sozialem Feld waren Frauen schon immer äußerst aktiv
und einfallsreich. Die Sozialreformerin Alice
Salomon setzte sich vor ihrer erzwungenen Emigration tatkräftig für
Mädchenbildung und Sozialschulen ein, die erste Berliner Ärztin Franziska Tiburtius eröffnete - trotz
eines Approbationsverbots für Frauen - 1876 die erste Poliklinik Berlins. Ein
Jahrhundert später baute die deutsche Nonne und Lepraärztin Ruth Pfau in den Slums von Karachi
gegen massivste Widerstände ein modernes Krankenhaus auf. - In diese Reihe
der selbstlos tätigen Frauen gehört auch Anna
Magdalena Bach, die auf eine Karriere als Sängerin verzichtete, um für
den verwitweten Johann Sebastian Bach und seine Kinderschar zu sorgen. Mut
ganz anderer Art zeigten Frauen, die gegen herrschende Gesellschaftsnormen
verstießen: Madame du Titre, die in
der Berliner Gesellschaft ob ihres Mutterwitzes und ihrer respektlosen
Schlagfertigkeit gefürchtet war. Susette
Gontard, Hölderlins geliebte Diotima,
die ein gewagtes Doppelleben führte. Die skandalträchtige Alma Mahler-Werfel, die Künstler,
Musiker und Dichter in ihren Bann zog. Oder Franziska Gräfin zu Reventlow, Aussteigerin aus adligen
Familienbanden, und umgekehrt Lena
Christ, Aufsteigerin aus häuslicher Misere in erträumte
„bessere“ Kreise. Spannungsreich auch die Karriere von Sophie Taeuber-Arp: tagsüber brave
Kunstlehrerin, abends - anonym - Auftritte in avantgardistischem
Dada-Cabaret. Abenteuerlust und Neugier ließ im 19. Jahrhundert Ida Pfeiffer von Wien aus zu ihren -
für eine Frau verwegenen - Weltreisen aufbrechen, und Abenteuerlust trieb
auch die Schweizer Amazone Regula
Engel, ihren Mann auf den Napoleanischen Feldzügen zu begleiten, in
Männerkleidern, fast ständig schwanger, 21 Geburten insgesamt … |
Mit Porträts dieser
Frauen: Maria Ward Glückel von Hameln Anna Magdalena Bach Madame du Titre Regula Engel Susette Gontard Königin Luise Ida Pfeiffer Louise Otto-Peters Hedwig Dohm Franziska Tiburtius Emilie Kempin-Spyri Clara Zetkin Franziska Gräfin zu Reventlow Alice Salomon Alma Mahler-Werfel Tilla Durieux Louise Schroeder Sophie Taeuber-Arp Johanna Kirchner Ida Ehre Marion Gräfin Dönhoff Margarete Mitscherlich Dorothee Sölle Ruth Pfau Christa Wolf Erika Pluhar Jil Sander Bärbel Bohley |
Mutig zu sein, heißt Spuren zu hinterlassen und gegen den Strom zu
schwimmen - so wie die 30 engagierten und streitbaren Frauen in diesem Band.
Sie kämpften für die Menschenrechte, schufen literarische und musikalische
Meisterwerke oder stellten als Führungsfrauen ihren Mut unter Beweis. |
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