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18 Hamburger Frauenporträts |
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Obwohl Hamburg mit seiner Seefahrts- und
Handelstradition eine männlich geprägte Stadt ist, konnten sich Frauen, wenn
sie denn die nötigen Fähigkeiten und das nötige Selbstbewusstsein besaßen, in
dieser Männerwelt immer schon durchsetzen. Das hat im 17. Jahrhundert Glückel
von Hameln bewiesen, die nach dem Tod ihres Mannes dessen weit verzweigte
Geschäfte selbständig weiterführte, ein Jahrhundert später tat dies die
Kaufmannswitwe Eva König, bevor sie Lessing nach Wolfenbüttel folgte. In Männerdomänen waren und sind in der Hansestadt etliche
Frauen höchst erfolgreich tätig: die 1993 verstorbene Liselotte von
Rantzau-Essberger als einzige Großreederin Deutschlands, Marion Gräfin
Dönhoff als Chefredakteurin und Herausgeberin der Zeit, Ida Ehre als erfolgreiche Theaterprinzipalin, Eva Rühmkorf
als Gefängnisdirektorin, Birgit Breuel als Wirtschafts- und Finanzministerin,
später EXPO-Chefin, die Modeschöpferin Jil Sander als Firmengründerin mit dem
Mut zum Börsengang – und nicht zuletzt Maria Jepsen als erste
lutherische Bischöfin der Welt. Während der NS-Zeit wurde weibliche Berufserfahrung
vielfach gehemmt oder unmöglich gemacht: Nach missglückter Emigration und
psychischem Terror im KZ Fuhlsbüttel überlebte die Jüdin Ida Ehre das Dritte
Reich im Untergrund. Die GEDOK-Gründerin Ida Dehmel, auch sie Jüdin, nahm
sich – durch die Gestapo ihres Amtes enthoben – 1942 das Leben.
Die Pazifistin Lida Gustava Heymann starb im Schweizer Exil, die
Oberschulrätin und Vollblutpädagogin Emmy Beckmann erhielt wegen
„nationaler Unzuverlässigkeit“ Berufsverbot, das gleiche
Schicksal erlitt als Halbjüdin die Komponistin und Hindemith-Schülerin
Felicitas Kukuck. Die aktiv im Widerstand tätige Gräfin Dönhoff entkam nach
dem 20. Juli 1944 nur mit Glück und Geschick einer Verhaftung. Die junge
Schauspielerin Heidi Kabel stand 1944 nicht mehr auf der Bühne, sondern in
einem Getreidekontor und füllte Viehfutter ab … Eine lange Tradition, an der Frauen maßgeblich beteiligt
sind, haben in Hamburg die gemeinnützigen und kulturellen Stiftungen. Schon
im frühen 19. Jahrhundert gründete die Senatorentochter Amalie Sieveking
einen karitativen „Verein für Armen- und Krankenpflege“. Irene
Schulte-Hillen betreut und fördert, unterstützt von namhaften Mäzenen, junge
Hamburger Talente durch die „Deutsche Stiftung Musikleben“. Vom
Hamburger Haus der Theologin und Schriftstellerin Dorothee Sölle gingen manche
Impulse für ökologische und humanitäre Projekte in der Dritten Welt aus. Nein, Hamburgs Frauen brauchen ihr Licht nicht unter den
Scheffel zu stellen. Ida Ehre und Marion Gräfin Dönhoff, die beiden einzigen
Ehrenbürgerinnen dieser Stadt, stehen für Zivilcourage und Durchsetzungswillen,
auch gegen Widerstände: Immer gegen den Wind. |
Mit Porträts dieser
Frauen: Glückel von Hameln Eva König Amalie Sieveking Elise Lensing Lida Gustava Heymann Ida Dehmel Emmy Beckmann Ida Ehre Marion Gräfin Dönhoff Felicitas Kukuck Liselotte von Rantzau-Essberger Dorothee Sölle Heidi Kabel Birgit Breuel Jil Sander Maria Jepsen Irene Schulte-Hillen |
„Interessante Stilformen verwendet Irma Hildebrandt in der neuen Folge
ihrer Buchreihe mit Frauenporträts: Bei Marion Gräfin Dönhoff beispielsweise geht sie in
Dekaden vor (1909, 1919, 1929 usw.), fügt 2009 an, denn das wäre der 100.
Geburtstag dieser engagierten Journalistin gewesen. Ein fiktives Interview
mit Frauenrechtlerin Lida Gustava Heymann (1868 – 1943) –
gespickt mit Originalzitaten, ist ebenfalls eine ausgefallene Methode der
Darstellung. Und beim Beitrag über Putzmacherin Elise Lensing (1804 –
1854), von keinem anderen als dem Dichter Friedrich Hebbel verschmäht, fasst
Irma Hildebrandt ihre Gedanken über diese Frau, die Mutter zweier Söhne des
Dichters war und im Armenhaus landete, in einem einfühlsamen Brief an die
Todkranke zusammen. Herforder Kreisblatt |
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