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"Die Frauenzimmer
kommen" war der Schlachtruf an der Zürcher Hochschule, als die ersten
Medizinstudentinnen im Präpariersaal der Anatomie auftauchten. Aber das Pfeifen
und Johlen legte sich rasch, als die Kommilitoninnen beim Leichensezieren
keineswegs, wie erwartet, in Ohnmacht fielen. Zürich ist - nach Paris - die
zweite Hochschule in Europa, die Frauen zum regulären Studium aufnimmt, wie Marie
Heim-Vögtlin, die hier 1874 als erste Schweizer
Medizinerin ihren Doktortitel erwirbt, wie Emilie Kempin-Spyri,
die erste Juristin der Schweiz, und wie Mileva
Einstein-Maric, Einsteins Studiengefährtin und
Ehefrau.
Doch längst vor dem
spektakulären Einzug der Studentinnen in die Hochschule gab es in Zürich
Frauen, die ihr Leben selbst bestimmt und gegen die Konventionen gestaltet
haben, etwa die junge Malerin Anna Waser im
17. Jahrhundert oder Regula Engel, die gemeinsam mit ihrem Mann in
Napoleons Schlachten zieht und nebenher 21 Kinder zur Welt bringt. Später Susanna
Orelli-Rinderknecht, die in ihrem sozialen
Engagement für Alkoholgefährdete zur Unternehmerin wird und die ersten
alkoholfreien Gaststätten gründet.
Auch das kulturelle Leben
der Stadt wird nachhaltig von Frauen mitgeprägt: von Mathilde Wesendonck, Richard Wagners Muse, von der Dadaistin Sophie
Taeuber-Arp, der legendären Wirtin Hulda Zumsteg, der Kabarettistin Elsie Attenhofer oder von Erika Mann und Therese
Giehse, die 1933 mit ihrer "Pfeffermühle" nach Zürich kommen und
mit brisanten Kabarettnummern für Saalschlachten mit den Frontisten,
den schweizerischen Nationalsozialisten, sorgen. Und nicht zu vergessen Ruth
Liepman, eine der international bedeutendsten
Literaturagentinnen.
Daß die "Frauenzimmer"
tatsächlich kommen und sich in Politik und Wissenschaft engagieren, hoffen
die Nationalrätin Vreni Spoerry und die
Geologin und Betreuerin der ETH-"Frauenanlaufstelle"
Katharina von Salis. Dann ist es mit der hehren Mutter Helvetia auf
dem Denkmalsockel, mit der sich so trefflich Männer-Staat machen lässt, und
mit der Hymne, "Heil dir Helvetia, hast noch der Söhne ja ..."
nicht mehr getan.
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Mit Porträts dieser
Frauen:
Anna Waser
Regula Engel
Mathilde Wesendonck
Marie Heim-Vögtlin
Susanna Orelli-Rinderknecht
Emilie Kempin-Spyri
Mileva Einstein-Maric
Sophie Taeuber-Arp
Hulda Zumsteg
Therese Giehse
Erika Mann
Ruth Liepman
Elsie Attenhofer
Vreni Spoerry
Katharina von Salis
Else Lasker-Schüler
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Irma Hildebrandt
Die Frauenzimmer kommen
16 Zürcher Portraits
2. um Else Lasker-Schüler erweiterte Auflage
285 Seiten mit
zahlreichen s/w-Abbildungen, Leinen
ISBN 3-424-01369-2
Diederichs, München
1997
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Irma
Hildebrandt
Die Frauenzimmer kommen
15 Zürcher Portraits
264 Seiten mit
zahlreichen s/w-Abbildungen, Leinen
ISBN 3-424-01201-7
Diederichs, München
1994
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